Stationäre Hilfe

Konzepteinblicke

Auf Grundlage unseres milieutherapeutischen heilpädagogischen Konzepts sind alle heilpädagogischen und therapeutischen Angebote und Hilfen integraler Bestandteil der Alltagsgestaltung. Unsere haltgebenden, annehmenden aber auch grenzsetzenden PädagogInnen als direkte Bezugspersonen und Kern unserer Gemeinschaft, stellen sich den hohen persönlichen Anforderungen, die notwendig sind Entwicklungssräume zu schaffen, die zu einer Ich-Stabilisierung bei den Kindern führen. Wir achten darauf, dass Belastungen gemeinsam getragen werden und Entlastungen dann erfolgen, wenn die/der einzelne/n Mitarbeiter/in oder ein Team an Grenzen stößt. Die jeweilige individuelle Hilfeleistung in unserer Einrichtung ist deshalb als Leistung der Gesamteinrichtung zu verstehen. Die einzelne pädagogisch/therapeutische Beziehung zum Kind wird gestützt durch eine jeweils nächste äußere Unterstützung, die in belastenden Situationen, unterstützend, Halt gibt. Jede Gemeinschaft als soziales System innerhalb unserer Einrichtung erfährt den notwendigen Halt durch das mittragende, entlastende und haltgebende soziale und strukturelle System der Einrichtung.

Eine wichtige und modellhafte Aufgabe unserer Einrichtung als Organisation sehen wir in der Sicherstellung einer förderlichen Beziehung zum Kind sowie einem belastbaren förderlichen sozialen System als neuen Lern- und Erfahrungsort. Jeder Teil unserer Einrichtung ist wichtiger Bestandteil eines aufeinander bezogenen und voneinander profitierenden Systems (Kommunikation und Synergie) – im Sinne eines Netzwerkes. Unser Grundanliegen ist die Entwicklung flexibler Förderkonzepte, die den individuellen Erfordernissen der uns anvertrauten Kinder in optimaler Weise Rechnung tragen.
Mit der Verknüpfung von Erziehung, Bildung und Therapie stellen wir ein Entwicklungsfeld bereit, das eine sehr individuelle Abstimmung auf das einzelne Kind ermöglicht. Abgestimmt auf die Hilfeplanung sind wir bestrebt, die Dauer der stationären Hilfeleistung in unserer Einrichtung zielgerichtet, ressourcenorientiert und prozessbezogen so kurz wie möglich zu halten.

Unsere Kinderhäuser und Außenstellen sind eng verknüpft miteinander und bilden das Gesamtsystem der Einrichtung. Die methodischen Grundlagen, die das Alltagshandeln und die individuellen Hilfe und Förderung bestimmen gelten für alle Wohngruppen in der Gesamteinrichtung.
Unser Konzept beinhaltet, dass unsere Lebensgemeinschaften selbst mit ihren jeweiligen Bezugsrahmen ein direktes heilpädagogisches und milieutherapeutisches Medium sind, aus dem heraus sich gezielte individualtherapeutische Maßnahmen ableiten lassen. Die Bedingungen, unter denen Gemeinschaft stattfindet, werden in den Mittelpunkt gestellt. Der Lebensort der Kinder ist zugleich auch der Lebensmittelpunkt der in den Kinderhäusern lebenden Mitarbeiter und deren Familien. Alle Stimmungen, Gefühle und Vorkommnisse berühren auch direkt die Erwachsenen.

Wir sind der Meinung, dass das Milieu, in dem das Kind lebt und von uns erlebt wird, mit seinen Vorkommnissen und Interaktionen des Tages die beste Gelegenheit heilpädagogischer Begleitung und Einflussnahme bietet.

Hier ist es unser bestreben, die destruktiven Prägungen kindlicher Erlebens- und Verhaltensmuster abzuleiten und zu verstehen, natürliche kindliche Bedürfnisse zu befriedigen. Mit der Abschwächung der hemmenden Einflüsse der Vergangenheit, neuen konstruktiven Botschaften und korrigierenden Erfahrungen, wollen wir den Kinder Lust, Anreiz und Freude am Leben ermöglichen. Im täglichen Miteinander und der gemeinsamen Gestaltung des Alltags legen wir großen Wert auf eine klare Strukturierung und Zeiteinteilung alltäglicher Vollzüge (Mahlzeiten und Ruhezeiten, Beteiligung am Aufräumen, Einkaufen, Gestaltung der Wohnung, Schulaufgaben und spezielle Fördermaßnahmen sowie individuelle Freizeitgestaltung und Freizeitaktivitäten).
Immer wiederkehrende Handlungsabläufe, Regeln und Rituale sollen durch die Verinnerlichung den Kindern Orientierung, Sicherheit und Verlässlichkeit bieten. Ausgehend von der Überzeugung, dass Wertschätzung ein menschliches Grundbedürfnis erfüllt und damit wachstumsfördernd wirkt, legen wir neben einem sicheren personellen Rahmen großen Wert auf hohe Qualität der räumlichen Ausstattung. Neben der positiven räumlichen Botschaft – als Ausdruck von Wertschätzung – bietet sich uns die Möglichkeit, die Kinder und Jugendlichen in die Gestaltung und Erhaltung ihres Lebensfeldes einzubeziehen und den Aufbau von Eigenverantwortung und Selbststeuerung zu fördern. Die zum Verständnis und zur Veränderung entwicklungsbedingter Einschränkungen notwendigen psychologischen Hilfen sind für uns die Bindungsforschung und bindungstheroretische Grundlagen nach Bowlby, die tiefenpsychologischen Entwicklungstheorien (Erikson, Winnicott, Mahler), die Individualpsychologie (Adler, Dreikurs), die Transaktionsanalyse (Berne, Goulding, J. Schiff), die Spieltherapie (Axline, Schmidtchen) sowie heilpädagogisch nutzbare Elemente verschiedener Schulen der Humanistischen Psychologie (u.a. Gestalt- und Gesprächspsychotherapie, Psychodrama, Kunst- und Musiktherapie).

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Die Einbeziehung spezieller und individuell ausgerichteter heilpädagogischer Maßnahmen in den Alltag ist unabdingbarer Bestandteil unserer Konzeption und ergibt sich aus dem besonderen Bedarf der von uns betreuten Kinder und Jugendlichen. Wir legen Wert darauf, dass auch die GruppenpädagogInnen über ihre generalistische sozialpädagogische und pädagogische Ausbildung hinaus zusätzliche Fort- und Weiterbildungen in Heilpädagogik und psychotherapeutischen Verfahren haben, bzw. erhalten. Dadurch können wir aus den Gruppen heraus qualitativ hochwertige individuelle heilpädagogische / therapeutische Hilfe durchführen. Darüber hinaus sehen sich die MitarbeiterInnen in der Lage, Übertragungs- und Projektionsphänomene professionell zu reflektieren und damit zu einem stabilen Lebensmilieu der Kinder beizutragen.